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Audiogeschichtliches
So hie und da steppe ich durch die Presets meiner Synthesizer oder Effektgeräte. Natürlich ist das in erster Linie geprägt von der Freude an den Klängen, die da zutage kommen. Die meisten Synthesizer sind in der regel mit 0815-Klängen vorprogrammiert, die man so nach und nach mit den wirklich interessanten Sounddesigns ersetzt, die man selbst zusammenwerkelt. Ein wirkliches Arbeiten wird niemals zustandekommen, weil die Materie zu komplex ist und die Möglichkeiten so vielfältig, daß man ohnehin nie so wirklich mehr sein kann als Forscher, der mit dem zufrieden sein kann, was an Experimenten von der Natur bewilligt wird. Etwas anders ist es mit der Sammlung an Vintage-Instrumenten, die einem vom EMU Vintage Keys angeboten werden. Die sind nun mal fix und damit hat man lediglich die Aufgabe, die Klänge zu erkunden. Änlich verfuhr ich mit dem EMU Audity 2000, der vor allem für seine komplexen Arpeggiatorfunktonen eine gute Figur macht. Und weil da einige so schön verstaubt klingene Mellotroncellos und Mellotronflöten auftauchten, begann ich diese Dichtung und wähnte mich dabei in einem von Sir George Martin dirigierten Orchesterwerk. |
Ich geriet immer mehr in eine pepperlandesque Stimmung und hatte vier Stücke skizziert. Was nun? Es kam mir mickrig vor, weiterhin mit synthetischen Klängen zu arbeiten, also begann ich Instrumentenspieler zu suchen, die Baustein für Baustein diese Dichtungen vervollständigen sollten.
Audiodemo The Symphonic Bits Stand 16. Jänner 2021
Audiodemos
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Die Flöten und die Geigen
Lara Bachmann singt in einem Chor und spielt Flöte. Also holte ich sie für diverse Sessions ins Studio und sie komplementierte bereitwillig die synthetischen Klänge mit ihrer echten Flöte. Mein Aufnahmesetup geriet außer Rand und Band: Es war kaum zu beschreiben, was ich da alles zusammenband, und das für eine einzelne Flöte. Es sollte gut klingen, es sollte natürlich klingen und es sollte alt klingen. Es mußte knarren wie eine alte Beatlesaufnahme aus den Abbey Road Archiven, unabgestaubt und etwas übertrieben filmisch.
Lara brachte Anina Schärer mit, die sich bereit erklärte, einen Geigenpart zu spielen. Wir hatten noch keine Notationen, Anhaltspunkt waren nur die Aufnahmeteile mit den Vintage Keys und dem Audity 2000. So tasteten wir uns Note für Note an das Arrangement heran. Was, wie üblich, bei mir erschwerend hinzukam, war, daß ich nie ein Metronom oder einen Klicktrack gebrauchte, damit waren die rhythmischen Strukturen den üblichen notorischen Schwankungen ausgesetzt, und ein Ansatz kam nie auf die gleiche Art zum Einsatz wie der vorangegangene oder der darauffolgende. Eine Trickkiste: aber auch das, was die unberechenbare Musikalität der Aufnahme ungeheuer anhebt, wenn es auch seinen Preis hat. Aber: Es ist eine Freude zuzusehen, wie die beiden konzentriert den Stücken mit jedem Schritt tiefer in die Aufnahme der Ausführung Leben zuhauchen. Allmählich gerieten wir an unsere Grenzen und das dritte Stück erweis sich als zu schwierig, es ohne der Zuhilfenahme der Notation einzuspielen. Wir brachen ab und widmeten uns einer Vokalaufnahme für ein anderes Stück. Und wie die Beiden auch noch singen können! Jedenfalls bat ich George (Ricci), sich das dritte Stück aufmerksam anzuhören und die Partitur zu schreiben, was er auch bereitwillig tat. Damit haben wir sogar die Grundlage auf Papier für die nächste Session. Damit stellt sich die Frage, was noch fehlt. Cello, ja, und eventuell Klarinette. Mal sehen. Eventuell werde ich für die Sampler aus gestimmtem Stimmengewirr Flächen bauen. Weitere Orchestrierungen
Valérie Benelli hatte etwas Zeit übrig – auch das scheint es in der heutigen Zeit zu geben! – und war voller Elan, an einem Musikprojekt zu arbeiten. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Nachdem die Windows-Sonettes so lange im Dornröschenschlaf verbracht hatten, erfuhren sie ein großes Update [13. Oktober 2020]. Damit bewegten sie sich zu einer noch intensiveren Orchestrierung. Wir legten gemeinsam einige Flötenspuren hinzu: Querflöte und Blockflöte, mit einem Schoeps CM640 über einen Audio Upgrades Preamp, um eine lineare Aufnahme zu erhalten. Flatterzunge, Vibrato, alles kam zum Zug. Nun gilt es, die Flöten in der Aufnahme unterzubringen und dabei die Balance zu erhalten zwischen der Orchestrierung und der Schnörkel von Ribals Bratsche, die sehr intensiv sein kann. Es folgen weitere Streicher.Aber auch hier: Es ist nicht zu unterschätzen, wieviele Putzarbeiten man an einer Aufnahme machen muß. Eine ungeahnte Fülle von tiefen Frequenzen können sich hier verbergen und die Musik sehr unangenehm verfärben. Hier scheinen wir den Tücken der Querflöte zu begegenen, die hier heimlich Tieftönendes hinterläßt. Der Subwoofer ist da ein gestrenger Beobachter. |
Einer meiner Besuche in Wien führte mich an die Musikakademie, wo ich den Bratschisten Ribad Molead aus dem Libanon kennenlernte. Wir erhielten dort ein Übungszimmer, wo wir Aufnahmen machten. Später kam er sogar nach Basel, wo wir die Bratsche für die Windows Sonettes aufzeichneten.
Windows. Fenster. So wie der Blick in einen Traum, eine der mentalen Existenzebenen: der Traum. Die Schaufenster in Paris sind nur eine unzulängliche Illustration. Die Zeichnung des Illustrators trägt schon einiges mehr bei zu einer Annäherung an das Unterbewußtsein, in dem sich ein Teil von unserem Leben fast unbemerkt abspielt. Der Traum stellt so ein Fenster dar, eine solche Brücke über die man dorthin gerät und kaum die Landschaften dort erkundet, denn sehr früh wacht man wieder auf und beginnt schnell wieder zu vergessen.
Das Lama nibbelt am Schwingungssummierer. Das Gate läßt sich über Drehregler steuern. Wird jemals die Reise in den Träumen zu einer Ankunft führen? Wenn ich träume, bin ich immer auf Reisen. Window Pane hieß in den Siebzigern eine Sorte LSD. Was mit dem heutigen Drogengebrauch nicht mehr zu vergleichen ist, ist die damalige Handhabung: Es ging um ein Fenster ins Mind. Es ging nicht um Drogengenuß, es ging um Bewußtseinserweiterung. Um das Aufstoßen eines Doors of Perception. Auch hier geht es um ein Fenster ins Mind. Diese Wegbegleitung startet recht alltäglich, orchestriert wie irgendein anderes Stück. Aber nach und nach tauchen blaue Blumen auf. Die Wahrnehmung nimmt einen anderen Lauf. Wie die Wahrnehmung im Traum anstandslos akzeptiert wird, so bemerken wir in dieser Situation, daß die Wahrnehmung unmerklich eine Grenze überschreitet. Das ist unser Shopping. Wir stehen selbst im Schaufenster. Es ist, als würde man mitten in der Szene eines Schaufensters der Konditorei Demel in Wien stehen. Mitten in einem Schauspiel aus märchenhaftem Schabernack und kunterbunten Süßigkeiten. Das ist das Spannende daran, irgendwann wird es "Plopp" machen und es wird nach diesem Klick die Welt hoffentlich eine andere sein, eine soo gut andere. |
