Z
wischen Pokhara und Kathmandu liegen einige Stunden Busfahrt. Ich weiß es nicht mehr wieviele das sind, sieben oder neun oder so. Hare Krishna Pilgrimage 1999: Wir waren nach Muktinath getrekkt, ein Haufen Harekrishnas (Harries genannt) und ich als Gast (Sympathisant). Während der Busfahrt zurück nach Kathmandu hatte ich mir vorsichtshalber eine leere Plastikflasche so aufgeschnitten, daß ich reinkotzen konnte. Wir litten so ziemlich alle mehr oder weniger an Magenproblemen. Eigentlich ging alles gut, bis auf die letzten zwei Minuten, da war ich froh um die Flasche. Nach dem Aussteigen deponierte ich den Rest meines Mageninhalts an den Straßenrand. Ganz diskret. Also wir stiegen aus und ich bemerkte nah der Haltestelle ein Schild: «Nepal Art Gallery» (Auf der Visitenkarte steht: Thamel, under Hotel Iceland, Kathmandu, Nepal). Das war doch einen Besuch wert, ein oder zwei Tage später, als der Magen wieder anständig tat. Zum Glück gab es unter den Harries welche, die mir siebenhundert Dollar vorstreckten, damit ich in der Kunstgalerie shopping gehen konnte und damit stolzer Besitzer von drei Thangkas wurde. Wobei das größte ca. 2 x 3 m groß war und um die 26 Jahre zusammengerollt in meiner Schachtel der zusammengerollten Dinge verbacht hat.
Das Tibetanische Totenbuch.
Vor nicht allzulanger Zeit las ich – wie ich es schon jahrelang praktiziere – in meinem Buch über das sogenannte Tibetanische Totenbuch
*, dem, wie es im Original heißt: «Bardo Thödol». Das eigentliche Bardo Thödol ist eine nicht allzu wortreiche Schrift, die dazu dient, einem sterbenden oder einem bereits verstorbenem vorgelesen zu werden, da es Hinweise enthält, die der Orientierung im Bardo dienlich sind, der Zeit zwischen Tod und Wiedergeburt; insofern das Buch: «Erlösung durch Zuhören.» Da aber meine Ausgabe mit hunderten von ausführlichen Amerkungen und weiterführenden Erläuterungen versehen ist, kommen wir hier auf äußerst Komplexe 336 engbedruckte Seiten. Richtig: Literatur für mehrere Jahre, denn hat man das Buch einmal gelesen, dann ist es eigentlich angebracht, es wieder zu lesen, um das hier über den Tod Mitgeteilte zu vertiefen. Zum Glück habe ich den Kassazettel für eine Sachertorte und Kaffee Verkehrt vom 12. Februar 2017 aus der Sacherstube Wien, den verwende ich ausgiebig als Lesezeichen.
Das Buch ist ein sehr komplexes Gewebe, der Kassazettel aus der Sacherstube reicht bei weitem nicht aus, also müssen noch ein paar Ansichtskarten her. Ich möchte an dieser Stelle auf ein besonderes Kapitel hinweisen: eine kleine buddhistische Schöpfungsgeschichte.
Kapitel 4: Einführung in die Lehren des Bardo Thödol
Artikel IV: Die esoterische Bedeutung der fünf Elemente
Da läutet es in meinem Hinterkopf. Hier ist die Rede von den fünf tibetanischen Elementen, dargestellt als fünf meditierende Buddhas. Hatte ich da nicht ... ? In der Tat, wie im Buch beschrieben, entsprachen die Buddhas auf dem Thangka den Farben der Dhyâni-Buddhas, wie sie im Buch angegeben werden.
| Amoghasiddhi | Grün |
| Amitābha | Rot |
| Ratnasambhava | Gelb |
| Akṣobhya | Blau |
| Vairocana | Weiß
|
Anhand dieser Aufstellung können wir demnach eine Schöpfungsgeschichte der Erde ableiten. Ich beziehe mich dabei auf die Angaben aus meinem Tibetanischen Totenbuch im Kapitel über «Die esoterische Bedeutung der fünf Elemente».
Aus der Sicht des Buddhismus ist das Unterbewußte dem Bewußem höhergestellt, jedoch im Normalfall noch unterentwickelt. Anscheinend sind alle Erinnerungsmomente und -Inhalte aus allen vorangegangenen Leben im Unterbewußtsein aufgezeichnet. Es wird auf einen fünften Kreislauf hingewiesen, auf den unsere Existenz generell zusteuert: der Existenz des Äthers. Durch das Realisieren des Äthers wird das noch verschlüsselte Wissen freigelegt, was zu einer allumfassenden Erkenntnis des Samsarischen – der Unwirklichkeit, in der wir leben – auslöst und damit Erleuchtung und Befreiung ermöglicht.
Nichts auf dem Thangka ist dem Zufall überlassen. Jedes Detail , jede Gestalt, jede Handlung, die hier dargestellt ist, ist von Bedeutung. Wir betrachten hier ein gemaltes Bild, das als Momentaufnahme kosmischer Vorgänge dient. Kann man durch die Anwendung einer solchen Betrachtungsweise eventuell so etwas wie das Verstehen der Zeit als eine Serie von Momentaufnahmen definieren, die mit eventuell vorhandenen Mitteln zugänglich und sogar manipulierbar sind, wie sie zB. der zwölfte Dr. Who beschreibt? Was für ein Glück, daß die Menschheit keine Tardis hat.
* Das Tibetanische Totenbuch oder Die Nachtod-Erfahrungen auf der Bardo-Stufe / Patmos Verlag GmbH & Co. KG / Artemis & Winkler / ISBN 3-538-07173-X
G
räbt man sich mühselig durch die Molasse der esoterischen und nicht-esoterischen Literatur, beginnt man allmählich die Balance zu finden zwischen herkömmlich wissenschaftlich abgesegneten Mitteilungen und jenen, die sich in diesem schwer überschaubaren Grenzbereich bewegen, dem man ein Plätzchen abkämpfen muß zwischen «Das wird von uns zu sein erlaubt, weil wir gescheiter sind und deshalb den ganzen anderen Unsinn nicht glauben, also gibt es das alles nicht» – der übliche Spruch einer Sparte von Menschen, denen ich inzwischen sehr gerne aus dem Weg gehe – und der Häppi und Hott Mystik derjenigen, für die eine Kuhglocke bestens gegen Pandemien hilft. O ja, den meisten Eso-Freaks gehe ich auch aus dem Weg. Da bleibt nur mehr ein schmaler Pfad übrig, und der ist leuchtend (ist nicht unbedingt peruanischen Ursprungs), ein schmaler Pfad zwischen politischer und wirtschaftlich funktioneller Daseinsberechtigung und Schmieröl.
Ein Antiquariatsfundstück: Eine nicht ganz fertiggestellte Ausgabe von «Der Mensch. Woher, wie und wohin» von Annie Besant and C.W. Leadbeater.
Früher oder später lauft man dem Rudolf Steiner über den Weg. In der Tat habe ich vier Jahre unter den Anthroposophen verbracht und habe vermutlich keinen Schaden davongetragen. Vielleicht lag es auch daran, daß ich fähig war, einen Vortrag über biologisch-dynamische Landwirtschaft zusammen mit dem Landwirtschaftslehrling zu verlassen, weil wir beide vor Lachen keine Luft mehr bekamen. Dennoch: Ich habe kein mulmiges Gefühl, das Goetheanum zu betreten. Im Gegenteil.
Vor den Beatles gab es Elvis und vor Elvis die alten Bluesmusiker. Vor Steiner gab es Helena Petrovna Blavatsky, die eine Theosophische Gesellschaft mitbegründet hatte. Dort gab es einiges, womit sich Rudolf Steiner beschäftigt hatte, bevor es zu einer Weiterentwicklung in Form der Anthroposophischen Gesellschaft kam. Im Rahmen der Theosophischen Gesellschaft wirkte auch eine Annie Besant, die ihre Geisteshaltung vorher in diversen Vereinigungen wie «The Zetetical» und der «Dialectical Society» auslebte, last not least auch im schottischen Freimaurerorden «Le Droit Humain». The Story goes on.
Kurz zusammengefaßt: Charles Webster Leadbeater gehörte zu diesen Kreisen und war anscheinend das, was man allgemein als «hellsehend» bezeichnet. Er nahm wahr, er sah und hörte und Annie Besant zeichnete alles auf. Aus solchen Sitzungen ist anscheinend das Buch: «Der Mensch. Woher, wie und wohin» entstanden. Eine an den Rändern noch nicht geschnittene Ausgabe dieses Buches fiel mir in die Hände. Schon vor einiger Zeit war das, aber bis heute habe ich's noch nicht gelesen, nur bruchstückweise. Das Buch schildert die Entwicklung des Menschen – von Anfang an. Das Sonnensystem ist noch jung und die ersten Wesen leben im Feuer. Es ist die Rede von Transporten von Planet zu Planet, von vielen Monden, von zwei atlantischen Zivilisationen – die Geschehnisse sind endlos.
«Seltsame Welten! Wirbelnden, schäumenden Strudeln gleich; unsere Erde, die festeste, ist heiß, schlammig, klebrig, und noch scheint wenig ihres Erdreichs selbst wirklich fest verankert zu sein. Sie ist siedend und wechselt fortwährend ihren Festigkeitszustand; ungeheure Kataklysmen verschlingen von Zeit zu Zeit große Massen von Wesen und an ihrem embryonalen Zustand scheint dieses Verschlingen nicht viel zu verschlimmern, sondern sie sind fruchtbar und mehren sich in gewaltigen Höhlen und Grotten als ob sie auf der Oberfläche lebten.»
Seite 53, Kapitel: «Früheste Zeiten auf der Erd-Kette»
Der Mensch. Woher, wie und wohin
Aufzeichnungen nach Hellseherischen Untersuchungen
von Annie Besant and C.W. Leadbeater
Autorisierte Übersetzung aus dem Englischen
1931 – Enst Pieper, Ring-Verlag Düsseldorf