• Ein Heldenbuch
36 Min. 11 Sec.
Ensemble Parlamento
24. September 2023
Martinskirche Basel
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Das Heldenbuch
Es war kurz vor dem Vortrag «Zwischen Wunsch und Wirklichkeit» von Prof. Dr. M. Kirnbauer und dem Konzert Triumph 3 «Triumphzug – Galakonzert», beides in der Martinskirche in Basel, daß ich mit Holly Scarborough in Gespräch kam. Ich kannte sie schon von ihrem Vortrag «On Battlefields and in the Frauenzimmer: Contexts of Maximilian‘s Flute-and-Drum Ensemble around 1500», den sie an der Musikakademie in Basel gehalten hatte. «Oh! Can I take my camera along?» Mehr als ein «Ja» brauche ich nicht, um die Sony wieder anzuwerfen.
Der übliche Ausflug in die Technik:
Kamera: Sony PXW-FS5, die sich über die hervorragenden Lichtverhältnisse in der Martinskirche gefreut hat. Objektiv: Nikon AF Nikkor 24–120 mm, 1:3.5–5.6 D verbunden für E-Mount mit einem Novoflex adapter. (Eigenlich hatte ich noch ein GoPro Hero11 und eine Z Cam E1 mit. Die beiden beschlossen aber spontan gemeinsam Selbstmord zu begehen.) Der Ton wurde mit dem internen Mikrophon der Sony PXW-FS5 aufgenommen (!). Leichte Nachbearbeitung: etwas EQ, etwas Kompression, leichtes Limiting. I feel good.
Schwerttanz: Der Ton wurde mit zwei an der Kamera montierten AKG C 452 EBs aufgenommen.
Kurzer Rückblick in die Sixties
Es ist zwar heldenhaft, aber der Richard hat diesmal nichts damit zu tun. Auch nicht unbedingt der Uwe Beyer und auch nicht die Maria Marlow. «Die Nibelungen» schaute ich mir damals 1966 (1. Teil) und 1967 (2. Teil) an, da sogar der Mario Girotti (später: Terence Hill) und die Karin Dor mitgespielt haben, da konnte ich mir doch dieses Harald Reinl Epos nicht entgehen lassen. Die Filmmusik von Rolf Wilhelm wurde weitab von Wagner-Einflüssen komponiert und umgesetzt. Da die Finanzen dünn wurden, mußte er sich im zweiten Teil nur mit Bläsern und Schlagzeug zufrieden geben, das gesamte Orchester konnte man sich nicht mehr leisten. Sein Werk
The Nibelungen Saga, das nur 15 Minuten dauerte, bewegte sich eindeutig weg von einfacher Filmmusik.
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Hier begegnen wir einer anderen Variation von Nibelungenumsetzung. Die Geschichte der Kriemhild dient hier als Grundlage für eine Inszenierung der vierköpfigen Formation
Ensemble Parlamento, die sich der Musik aus dem späten Mittelalter und der Renaissance verschrieben hat.
https://www.ensembleparlamento.com/
Ailen Monti, Laute
Holly Scarborough, Flöten
Elizabeth Sommers, Fidel
Karin Weston, Gesang
Ich zitiere hier aus:
https://www.rerenaissance.ch/festival/kurzweyl/#parlamento
Mit einer Auswahl von Texten aus drei verschiedenen Nibelungenlied-Handschriften aus den Jahren 1200-1515 erzählt das Ensemble die Geschichte von Kriemhild.
https://www.rerenaissance.ch/
Seit 2020 präsentiert ReRenaissance in der Barfüsserkirche des Historischen Museums Basel allmonatlich ein themenbezogenes Programm mit Fokus auf die Musik vor 1600.
Einmal mehr wird hier auf die Siegfried-Saga zugegriffen, diesmal aus der Seele von vier hervorragenden Musikerinnen. Schon lange wollte ich einer solchen Vorführung beiwohnen, kam aber nie so recht dazu. Und so stand ich an jenem Samstagabend im Scheinwerferlicht einer Sternstunde. Und war am Sonntag sprachlos. Auch sprachlos beschäftigt mit der Sony, um ja ohne nennenswerte Pannen die Darbietung festzuhalten. Ich lasse hier die Videobilder sprechen. Und habe mir vorgenommen, das ganze noch einmal aufzunehmen, so perfekt wie nur möglich.
Das noch nicht entdeckte Bild des «Triumphzugs».
Die Ergänzung des Triumphzugs
Anscheinend wurde im Keller der Albertina in Wien ein bisher unbekanntes Pergament aus dem Zyklus des Maximilianschen Triumphzugs entdeckt, restauriert und gerahmt. Es scheint das Ensemble Parlamento darzustellen, in einem Bandwagon, von zwei Ochsen gezogen, auf denen ein als Affe verkleideter Kameramann (?) sitzt. Kurios.
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Aber ernsthaft: Auch das Konzert vom Samstagabend: Triumph 3 «Triumphzug – Galakonzert» in der Martinskirche hatte mich schlichtweg vom Sitzplatz katapultiert. Ich hatte noch nie solche Klänge gehört. Das Zusammenspiel der verschiedenen historisch beheimateten, nachgebauten Instrumente ergab oft Klangbilder, die ich in der Klassik nicht vermutete. Wenn ich diese beschreiben soll, dann muß ich auf Eindrücke zurückgreifen, wie ich sie bei Steve Vai antreffe. Nur: Damals gab es noch keine Eventide-Module.