«Alles Lehm.» sagte irgendwer im Zusammenhang mit der Vergänglichkeit in Peter Pannke's Buch «Sänger müssen zweimal sterben.» Ich habe vergeblich versucht, die Stelle zu finden.
Alles Dreck. Erde ist Dreck, Gold ist Dreck, Scheiße ist Dreck, Seide ist Dreck, mein schöner ZEN-Kompressor auch. Es ist alles das gleiche Material, es schaut nur ein wenig anders aus. Ein Mensch ist Dreck, zwei Menschen auch, drei Milliarden Menschen sind etwas mehr Dreck. Alle bewegen sich irgendwie, alle sind getrieben von der Lust und von der Unlust. Die Liebenden sind verzweifelt, die Kriegstreiber sind todünglücklich, die Hippies gibt's nicht mehr, die Künstler wissen nicht mehr, was sie tun sollen. Die KIs machen uns nach und das ist ein Haufen Dreck, weil wir eh nicht wissen, was wir tun. Die höchsten Staatsangehörigen, wenn sie auf dem Holz liegen und brennen, sollten dann endlich wissen, was sie gewesen sind. Am Manikarnika-Ghat suchen die Hunde ein Stück gegrilltes Fleisch, das war einmal Du und ich. Die Hüter der Verbrennungsstätte kochen sich zu Abend am heiligen Feuer ihre Suppe. Die Brahmanen und der Milchmann trinken geheiligten Whiskey. Ich weiß es. Ich war dabei, es war mein Whiskey. Wobei: Nichts gehört mir, auch Dir nicht. Ich habe etwas spendiert, was nicht mir gehört.
Meine Mutter ist etwas Anderes. Ich weiß nicht, was es ist. Sie lebt im leuchtenden Schwarz.
Wie aber kann sie das ahnen, da sie doch «Dichterbriefe» kennt, wirklich unvergleichlich tournierte, wie aus Elfenbein, in denen das Geschaute, als ein mit zarten Händen aus der vagen Negation des Luftraums Herausgeholtes für die Dauer eines Augenblicks auf dem Stempel einer noch nicht sehr müden Tulpe balanciert.
Hugo von Hofmannsthal | «Hugo von Hofmannsthal / Carl J. Burckhardt – Briefwechsel» (p. 52)

Das Hantieren mit dem, was nicht existiert.

WAS
auch immer ist und bei näherem Hinsehen nicht ist: Das Rätsel unseres Weltenseins bleibt nur schwer ergründlich. Es ist kein Game, es ist furchtbar, wirklich furchtbar ernst. Und doch ist uns kaum mehr möglich, als das Sein mit kindlicher Seele wie einen Comic zu betrachten. Jede Handlung hat Konsequenzen, und viele Nachtträume lösen die Konsequenzen auf, indem sie unsere Betrachtungsweise korrigieren. Beginnen wir unsere Betrachtung damit, daß – Vergleiche hinken (...) – eine Blumengattung von der gleichen Matrize stammt. Dennoch ist keine Blume wie die andere, die Matrize wird variiert angewandt. Deaccurate ist das Weltensein, wie der Humanizer in der Linn Drum, aber viel besser.
Und eines Tages werden wir bemerken, daß wir doch drei Augen haben. Oder mehr. Dann aber dürfen wir uns nicht von den Blinden stören lassen, die von einem Betrunkenen geführt werden. Da haben wir eh genug zu tun, die vier Augen zu koordinieren.
Edward, 28. März 2026
Serafyn, Wien.