Production



 
Die Kunst, ein Schlagzeug zu mikrophonieren: Auch hier streiten sich die Leut herum um den Wert des Glücks. So mancher braucht 20 Mikrophone, manche 8 oder nur 3 oder vielleicht nur eins. Am Schluß sollte etwas hörbar sein, das mehr ist als dieses Pfft-Pfft in den modernen Aufnahmen, das durch EQs und Kompressoren zu einer der Aufnahme beigefügten klopfenden Kiste geworden ist, damit man halt ein Schlagzeug hat. Im Vorfeld einer Choraufnahme hatte ich das System mit der Mikrophonierung eines Schlagzeugs getestet. Als Overhead diente ein russisches RM BIV-2 Bändchenmikrophon (Stereo), an HiHat und Snare jeweils ein AKG, Kick und tiefe Tom bekamen je ein ST77 und irgendwo waren noch zwei Shoeps CM6550er herum. Auf jeden Fall bekam die Aufnahme eine wohltuende Fülle. Obwohl ich der Überzeugung bin, daß jedes Mikrophon seine Berechtigung hat, zeigen sich hier die Qualitäten der Ausgewählten Stücke, sie vermitteln Fülle und Präsenz, und das ist eine gute Grundlage für eine gute Aufnahme. Man hat so viel Vorrat in seinen Frequenzbereichen, daß ohne viel Nachbearbeitung die Stellung des Schlagzeugs im 3-D-Bereich jede Menge Verschiebungsspielraum hat.
 
Aufnahme: Arbeitstitel "Drum Tune", 16. Jänner 2016
 
Drums mit Congas   (gleiche Mikros verwendet in anderer Anordnung)
 
Drums mit Congas
 
 

Der Fluß und sein Protokoll


So sehr uns in vielerlei Hinsicht die "digitale" Welt zur Vereinfachung vieler Handgriffe zur Verfügung steht und die bewußte Nutzung eines Computers für die Arbeitsflüsse in einem Ausmaß behilflich ist, daß es schlichtweg nur Begeisterung auslösen kann, so sehr ist aber auch das Mittel Computer limitiert, da alles, was dort geschieht, nur die Kopie oder sogar die Kopie der Kopie einer Wirklchkeit ist, die uns ja auch nur – über das Medium der Sinne – wie aus zweiter Hand erfaßbar gemacht wird. Dazu kommen noch Erinnerungen, die sich während der Wahrnehmungen aufdrängen: Auslöser, die Gefühle entfesseln können, und auch die Qualität des Gebotenen macht irgendwas mit dem, was dann in uns ankommt. Die nun schon eineinhalb Jahrzehnte andauernde Angewohnheit, die photographische Kamera oder die Filmkamera mit dem Telephon zu ersetzten, – vor etwa dieser Zeitspanne hatte ich in Kamakura (Japan) zum ersten Mal erlebt, mit welcher Intensität dort die Japaner ihre Erlebnisse mit dem Telephon festhielten – ist das die schöne neue Welt oder nur eine chronisch gewordene einschläfernde Bequemlichkeit, die uns die Kunst am Tun zu einer grauer Belanglosigkeit verwischt? Inzwischen scheinen wir uns vor einer aus der Industrie geborenen weiteren Scheinwelt zu befinden; jener, die uns das so ersehnte Glück als Herr eines Telephons vorgaukelt, eines Handhelds, das uns über Facebook mit tausenden von Freunden verbindet und uns mit diesen über Twitter verbindet. Mit dem Telefon kann man sogar Liebschaften beenden und "Musik spielen". Das ist dann meist wie "Winnetou Spielen", man ist aber dabei noch lange kein echter Winnetou.
 

 
Rebirthing of the Tip-Ex. George Ricci ist alles Andere als ein Computerist. Hier wird eine seiner Partituren mit Rubber-Cement und der althergebrachten Methode des Copy-Paste wieder in die rechte Form gebracht.
 
 
  
Vor Jahrzehnten mußten Photographen mit Eseln und Rössern ihre Kameras und dazugehörigen Chemikalien, von Trägern unterstützt, über Berg und Tal schleppen lassen. Die Beatles nahmen noch ihre Hit Records in Mono auf Tonbandmaschinen auf, die das Format eines Kochherds mit Backofen hatten (im John Lennon Museum in Tokyo zu besichtigen).
 
Gut: Kultur ist für alle da. Aber der Unterschied zwischen einem gesampelten Klavier und einem echten ist der, daß das echte Klavier viel mehr kann. Die volle Klanggewalt (ich nenne dieses Phänomen "Gewalt", wegen seiner Wucht und Vielfältigkeit) kann sich in einem Sample nicht entfalten. Dazu braucht es Saiten, einen Anschlag – der kein zweites Mal der gleiche ist – der die Klänge entfesselt, die von diesem einzigartigen Anschlag ausgelöst werden, bei einer schnellen Spielweise in so einer Vielfalt, daß ihr nur mehr der Vergleich mit dem Blätterspiel eines Waldes gerecht wird. Auch hier bewegen sich die Blätter, wie die auf dem Klavier angeschlagenen Noten, in wilder Vielfalt in diesem Wind, während die Natur Komponist ist und verwandeln so ihr Aussehen von Augenblick zu Augenblick im Spiel des Lichts und rauschen in den Arpeggi, die die Winde auslösen. Sollen wir diesen Vorgang dem Kommerz unterwerfen? Einer Gleichschaltung durch die Parteiisierung des Like und Dislike, gesteuert durch den zum leblosen Klumpen entwürdigten Geschmack eines Chartpublikums, dessen Musikerlebnis gleichzusetzen ist mit dem, was bei einem Fußballspiel Gegröle auslöst?
 
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Das Instrumentarium

Musikalienindex

Das Klanglaboratorium

Klangmatrik-Beispiele



Das Instrumentarium: Es ist wie eine innere Heimat, die man lange vermißt hat und die man mit diesen Maschinen wieder ins Gedächtnis ruft und damit besucht. Dort, wo das Gespräch aufhört und oft Verständnislosigkeit herrscht, kann man über diese Medien ein neues Verstehen rufen. Es ist fast so etwas wie ein Geisterkult. Oft haben die Geister keinen Namen und offenbaren sich als die Farbe einer klanglichen Wahrnehmung. Aber: Es ist etwas altes, das sich jeder Modernisierung – außer der vielleicht durch die Technik – völlig entziehen kann. Es ist ein Bereich, der mich umhüllt, der auch mit den Lyrics von Bob Marley beschrieben werden kann: "One good thing about music, is when it hit's you, you feel no pain".

 
 

So sehr es mir möglich ist, bleibe ich beim kühlschrankgroßen Modul, wenn auch in meinem Falle abgespeckt auf 19-Zoll-Breite. Und doch: spätestens nach dem zusammenfügen von drei Modulen in einem Rack, macht sich das Gewicht der Hardware bemerkbar und ich nähere mich dem Kühlschrank. Und ich muß mit überlegen, welche Module zusammenfaßt werden sollen, was ein jahrzehntelanges Tetris ausgelöst hat. Da ich meist ohne jede merkbare Führung unterwegs war, – im Gegenteil: die Suche nach dem erwarteten Klang wurde herabwürdigend und beleidigend meist als "Hobby" abgestempelt – es brauchte diese ungeheuer lange Zeitspanne, bis ich zumindest das Grundsätzliche an diesen Vorgängen auch nur im Ansatz zu verstehen begann. Erst in der Zeit um 2015, da mir persönlich ein Überangebot an Klangintrumentaria zur Verfügung stand, begann ich die einzelnen Komponenten, in meinen Kinderschuhen wackelnd spielend, zu begreifen. Oh ja, das kommt auch noch dazu: Ich bin durch die Vielfalt es Intrumentariums damit gesegnet, die Musik begreifen zu können, mit den Händen, mit den Fingern, mit der Stimme, die ich auslöse und deren Klang eine Hallspirale auslöst. Woher kommt das alles, wohin geht es? Was geschieht auf dem Weg zum Musikstück, zum Klangstück? Das sind Fragen, die nur homöopathisch beantworten werden können. Aber wir können den Weg vertrauensvoll beschreiten und unsere Erlebnisse teilen.
 


Alte Kastentüren und dicke Blätter
Die Gelegenheiten liegen auf der Straße. Hält man Augen und Ohren offen, dann stehen einem schon wieder Welten zur Verfügung. Und man spart einen Haufen Geld. Da sich bei mir allmählich die Hardware im Neuzehnzollformat gestapelt hat und Racks teuer sein können, fing mein Hirn zu arbeiten an, als ich diese Kastentüren sah, die zwar noch in Ordnung waren, aber anscheinend niemand mehr wollte und in den Sperrmüll gestellt wurden. Ich hatte noch ähnlich weggeworfene Rackschienen in der Gegend, die von der Größe her perfekt waren und auch noch grüne und violette Farbe. Also baten mich diese Türen darum, sie nach Hause zu schleifen, was ich natürlich tat. Aus den Teilen von alten Regalen bekreissägte ich mir die nötigen Deckel und baute mir so zwei aneinanderbefestigte Türme für mein regelmäßiges Tetris-Spiel.
 

Lösungen, die man auf der Straße findet.
 
Die Sache mit den Racks ist tatsächlich das, daß man nie so recht weiß in welcher Konfiguration die Elemente zusammengetan werden sollen. Desto höher das Rack, desto problematischer wird die Zusammenführung. Nach EQs? Nach Kompressoren? Nach Häufigkeit des Gebrauchs? Allmählich bin ich zu dem Schluß gekommen, daß es die Häufigkeit des gemeinsamen Gebrauchs der wichtigste bestimmende Faktor ist. Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, daß ich mir in diese Kastenracks ein Wall Of Sound baue, deren Komponenten über Steckfelder angesprochen werden. Vielleicht aber die unscheinbarsten Komponenten dort unterbringe wie Stromspeisungen, Steckfelder, Denoiser etc. und diejenigen Komponenten, die flexibler sein müssen, in ein anderes modular aufgebautes Racksystem.
 
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Mitten im Equipment liegen die Zeichnungen.
 
Ich will mich hier nicht auf das beschränken, was mit Akustik zu tun hat. Es gibt zwei weitere Gestaltungsmöglichkeiten, auf die ich nicht verzichten will: Das Bild und das Wort. Das Bild sagt natürlich oft mehr als tausend Worte, deshalb habe ich immer eine Kamera oder eine Videokamera bei mir. Und in einem Kasten eine große Schachtel voller Mal- und Zeichenutensilien, die ich regelmäßig auspacke und meine Erfahrungen und Träume, mein Innen- und Außenleben auf Papier oder ein anderes Materal banne. Auch das ist eine traditionsreiche Reflexion, die noch aus der Zeit stammt, da wir jung bis klein waren und alle, die ich kannte, nur so sprühten vor Kreativität. Und auf eine geheimnisvolle Weise wurde das auch von der Welt erwidert. Es gab eine gewisse Resonanz, die doch zum Teil verlorenging. Dennoch: Die Feder blieb, die Tusche, die Farben, das Papier. Aus der Nikkormat wurde eine digitale Sony, und wunschgemäß sollte das eine Leica werden, aber was das alles kostet ... Aber wenn dann ein Traumgebilde auf einem dicken Blatt erscheint, dann suche ich nach einem dicken Rahmen mit einem dicken Passepartout.
 
 
 
 

 
 
Arbeiten mit Tolex.
 
Mannigfaltige Arbeiten.Abbau und Aufbau des Audient 8024.
 
Tolex in der Werkstatt / Studio in Umbau / Das Innnenleben des Audient 8024
 

Die improvisierte Werkstatt.
 
Schachteln voller Fender-Monitore.
 
Regale under Contruction / Keine Gibson Schachteln
 

Kleister und Schrauben
 
So ein Studio kann eine Baustelle ohne Bauplan sein. Da man nie genau weiß, was als nächstes passieren oder auftauchen kann, hat man nur die reine Intuition als letzte Instanz und davor den klaren Menschenverstand als Hilfsmittel, wenn er nicht gerade einen trüben Moment oder zuwenig Anhaltspunkte hat. Ich konzentriere mich auf die ungetrübte Version, was ziemlich unüblich ist, aber durchwegs seine Vorteile hat. Eine sehr gute Vorgangsweise ist die, von der Fähigkeit in die Zukunft sehen zu können gebrauch zu machen. Ein Element in einer Konfiguration ist manchmal nur ein Einzelstück, das ziemlich unbrauchbar sein kann, bis es – vielleicht erst nach Jahren – seine ergänzenden Teile erhält, eine Modifikation oder eine Reparatur. Also ist man darauf angewiesen, seine Sammlung so aufzubauen, daß man zwar von außen her als Messie, Krämerseele oder Nimmersatt definiert wird, auf die Länge aber etwas über Jahrzehnte aufbaut, das zu einem erstaunlichen System erblüht. Hier gibt es kein "modern". Hier herrscht das Faustrecht des Brauchbaren, vor allem des Brillianten. Und brauchbar und erst recht brilliant ist, was spannend klingt, ob es aus einem Tonbandecho kommt oder aus dem neuesten aller neuen Plugins. Wobei in vielen Fällen das Hardware-Echo dem Plugin weit überlegen ist.
 
Die Sicht von Außen ist so eine Sache. Erstens ist ein Jeder ein Laie im besten Fall, meist nur ein Konsument. In der Regel aber ein Konsument, wenn nicht sogar – was die Regel ist – ein Ignorant. Ignoranz wird aus der Bequemlichkeit geboren, und wer mit dem Bauch gegen die Sonne im Stupor daliegt und so auch Musik hören möchte, hat schon verspielt. Die Wahrnehmungen, die ich heute habe, resultieren aus unendlich viel Training, den vielen Stunden des Hörens und (Selbst-) Kritisierens, wie es für jeden Sache ist, der sich vertieft einem Thema hingibt. Es gibt nie einen halben Weg.
 
Immer wieder kommt es vor, daß jemand das Studio betritt und dann bemerkt: "Oh, und ich dachte, so eine Aufnahme besteht aus Spielen und Aufnehmen und das war's." Oh nein. Es ist ein langer Weg dorthin. Oder sagen wir: Es kann ein langer Weg dorthin sein. Generell ist man auf der Suche nach einem bestimmten Klangbild, ob Musiker oder Techniker, und dieses Klangbild soll mit den bestmögichen Mitteln realisiert werden. Und dann tut man, was man kann, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, Hauptsache, man kommt zum Ziel. So entstanden im Laufe der letzten Jahrzehnte die merkwürdigsten Erfindungen. Oft ist man aber auf sich allein gestellt und versucht sich einen Reim zu machen aus all den komplizierten Mechanismen.
 
Die Vorbereitunsarbeiten sind Mannigfaltig. Allein Tolex zu entdecken war richtig erhellend. Statt wie vorher die Regale und Racks anzustreichen, mit Tolex zu überziehen, macht richtig Eindruck. Alles sieht edler aus. Und das Aussehen, der Mood und die Ambiente eines Studios trägt vieles zu einer guten Aufnahme bei. Manchmal schaut natürich alles wild durcheinandergewirbelt aus, manchmal ist alles halb zerlegt, so auch beim Zusammebau des ASP 8024 Pults oder nach der Ankunft der diversen Fender Monitor-Einheiten. Und vieles verschwindet manchmal auf Jahre im Regal, bis es neu entdeckt, neu verknüpft und dann erst, im System mit Elektizität versehen, Töne transportiert.