Serafyn in Wien

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Der Trost der Musikantinnen.


Die Tage, in Wien zu sein, hatte ich so gelegt, daß ich das Serafyn-Konzert am 19. September 2015 im Haus der Musik in Wien besuchen konnte. Ich ahnte nicht, was mich erwartete.
 
Schon aus purem Defaitismus rümpfe ich die Nase über all diese Bands, die in der Kleinstadt, in der ich wohne, ihr Unwesen treiben. Ich spüre sehr schnell Niedertracht in mir aufsteigen, die sich aber in wohlwollendes Mitleid wandelt (das mache ich aus karmischen Gründen). Es gibt löbliche Ausnahmen, und wie es meine Art ist, erhebe ich immer die löblichen Ausnahmen in den Olymp. Weil ich weiß, wieviel von ihrem Leben diese löblichen Ausnahmen ihrer Kunst widmen und nicht einmal erwarten können, daß es – wenn sie sogar ihre Anstrengungen vervierfachen – zum täglichen Leben reichen wird. Und weiters: Ich verfolge schon seit Jahren, wenn es mir möglich ist, den Werdegang dieser Kapelle, die so verdächtig nach England tönt, aber aus der nächsten Geographie stammt. Also war es nur natürlich, daß ich, wenn ich schon in Wien bin, den Aufenhalt so wähle, daß ich nach diesem Fiasko von einem Mixdown am Rheinufer die Seraphinen bei gutem Klang hören wollte.
 
Wie es aber kam: Brigitte schrieb mir plötzlich und auch Stoffe, dieser ging nicht näher auf das, was er mir mitteilen wollte, er wollte mich am Telephon persönlich sprechen. Es war nicht zu glauben. Richard war gestorben. Dieser Richard, der all meine Konzerte und sonstigen Actions in Baden ermöglicht hatte, war gegangen. Der Lungenkrebs hatte ihn niedergestreckt. Ich wußte von nichts, wir hatten uns auseinandergelebt. Also rief ich Brigitte an, nachdem ich mit Stoffe gesprochen hatte und teilte ihr mit, daß es vorbei war, denn sie wußte nur, daß es ihm sehr schlecht ging. So waren die Daten aber schon definiert. Das Serafyn Konzert war am Samstag. Ich kam Donnerstag Morgen in Wien an, am Nachmittag war schon die Abdankung. Über Hundert buntgekleidete Trauergäste, Alt- und Junghippies, Punks, alle waren sie da. Und alle standen da in ihrem Trauma und brachten kaum ein Wort heraus. Es war das Ende einer Ära. Danach wurde der Alb beim Heurigen in Sooß besänftigt. Es wurde Abend und wir blickten verwirrt zur Lausburg hinüber, die da stand hinter den Weingärten in diesem unverwechselbaren Herbstlicht, das ich so gut kannte und das aller unser Begleiter war, besonders in der Aufbruchstimmung der Seventies.
 
Samstag. Ein ruhiger Tag in Wien, Brigitte war nach Graz gefahen und ich durfte ihre Wohnung benutzen und besuchte noch die Fix und Foxi Ausstellung an der Freiung. Und natürlich mußte sich unser gemeinsames Idol auch Verabschieden: In der Albertina war Alfred Kubin (zusammen mit Lionel Feininger) zu Gast. Früher hätte ich zusammen mit Richard Fix und Foxi und natürlich unseren Abgott Kubin besucht. Aber so war ich allein dort. Künstlerfreudschaften währen ewig, so auch die mit Kubin, und das macht auch Richard so unsterblich, wenn ich diesen so endgültigen Begriff als Umschreibung der Tiefe gebrauchen darf. Allmählich wurde es Abend und ich schlenderte in das Haus der Musik. Ich begrüßte Alexandra kurz beim Soundcheck, denn wir kannten uns flüchtig. Aber ich ging schnell wieder zur Seite, um nicht zu stören. Und wenn die ganze Welt untergeht, dann habe ich eine Kamera mit, und so war es auch hier. Es war ein wunderbares Konzert, leider ohne Anja Waldkircher, dennoch waren Serafyn so poetisch wie eh und je, und das erlebte ich sogar in der Musikstadt Wien. Wie schön es war, sie zu hören, auch tröstlich. Ihre Jugend und Frische gab Anlaß zu verstehen, daß alles weitergeht. Die Wellen der Musik, aus feiner Seelenhand immer wieder neu erschaffen, sie werden die Welt weiter tragen als jeder Kampf, als jede Politik, sie vermag jede Trauer zu lindern und jeden Hader zu verscheuchen. Vielleicht wird die Musik sogar die Erleuchtung überleben. Danke, Serafyn.
 
22. Juli 2016  
 
http://serafyn.ch

Die Bilder zum Ton.


 
Spielende.
 

 

 
Anna Erhard.
 

 

 
Die Stimmung ist wichtig.
 

 

 
Up front.
 

 

 
Sticks with round heads.
 


 
Mann am Baß. Lucas Löw.
 

 

 
Alexandra Werner. Closeup.
 

 

 
Zu zweit.
 

 

 
Ernst spielt.
 

 

 
Gefunkelt.
 


 
Zweier jener.
 

 

 
Baß und Gitarre.
 

 

 
Mehr Stecken mit runden Köpfen. J.J. Löw.
 

 

 
Zwischen Noten.
 

 

 
Aus den Momenten.
 


 
Bass and Drum.
 

 

 
Ein Moment.
 

 

 
Alexandra selbdritt.
 

 

 
Es war eine rauschende Ballnacht.
 

 

 
Kabelarbeiten.