Studio Project    The Voodoo Chile Variations 


 
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To Become A Mairman

Sankar und Annika

 
A VooDoo Rack.

Wie ein Spinnennetz legt sich das Multicore Kabel über das Rack.
Während der ersten VooDoo Chile Session: Aus dem Aufbau der Basic Tracks heraus kam der zweite Stock der Aufnahmen. Die skizzenhaft festgehaltenen Themen aus dem "VooDoo Chile" dienten manchmal nur als Anhaltspunkt für die Improvisationen, auf denen der weitere Aufbau fundierte. Der feste Boden aus den wuchtigen Klängen der Baßklarinetten wurden hinzugefügt und dazu die Malerei der Tablas von Sankar. Immer besteht dabei der Konflikt "East-West", da die indische Musik völlig anders klickt als die westliche. Da müssen die Behälter sehr genau angepaßt werden, damit die Strukturen nicht aus dem Ruder laufen.
 
Vergleicht man die Originalaufnahme von Hendrix, so kommen wir schnell in einen Bereich, der sich als Synthese mit einem "Miles Runs The Voodoo Down" anbietet, und genau dort liegen die klanglichen Würzen des Projekts. Generell sind ja die Stücke beide in einem Jazzmood ausgeführt, von Popsong kann hier schon lange nicht mehr die Rede sein. Die Originale sind ja beide symphonische Dichtungen, wobei das "VooDoo Chile" von Hendix eine durchgespielte mit einem eigens dafür engagierten Kleinpublikum darstellt, während "Miles Runs The Voodoo Down" einer jener meisterhaften Kleb- und Kleisterarbeiten des Produzenten Theo Maceo an den Tonbändern ist.
 


At the Echolette

 
Natürlich stellt sich die Frage danach, wie die Gitarre klingen soll. Es soll aus meiner Sicht so bleiben, daß die Klangbilder so erwirkt werden, daß der Vintageklang unbedingt erhalten bleibt. Man könnte Gefahr laufen, die ursprüngliche Wuchtigkeit zu verlieren, da ist Vorsicht angebracht.
 
Setup für 3 Musiker und Dirigent. Aufnahmesession.

Das Setup für die Aufnahmesession mit George, Annika und Sankar. Dazu ich als "Dirigent".
 
Und hier erfahren wir eine weitere Loslösung vom Original: Der – zumindest ursprüngliche – dominante Guitartrack ist hier für den Basic Track eher verhalten und wird so eher zu einem Hintergrund für die darauf folgende Collage, fast zaghaft inszeniert. Damit können weitere Überlegungen zur den Folgecollagen gemacht werden.
 


Die Berührung mit dem Feenreich des Voodoo stellt hier das ideale Umfeld für ein solch mystisches Musikstück dar. Ganz besonders für mich, der ich mich nie in einer rein materiell orientierten, in der über den Intellekt abgegrenzten Gefühlswelt knapp über den Boden einherschlürfenden Pseudomusikalität bewegen will, abgekoppelt zu sein von dem von seinem aus natürlicher Surrealität angetriebenen in den Traumbereich sich vorpreschenden Geist – wie es heute leider zu sehr üblich ist –, eher will ich forsch wandern unter der Zaubermütze jenes Geistes, der, sich seiner Ursprünglichkeit entsprechend, unbändig in ferne Welten vordringen muß; unwillig auch nur eine Sekunde zu verbringen in jener in kalter Mathematik orienterten und mechanisierten neuzeitlichen Musikalität, die damit gar keine mehr ist. Vielmehr wird hier eine neue Kubineske angestrebt.
 
"Voodoo Chile" wird von seiner – wenn auch bescheidenen – Einengung befreit, verwandt nun, nahe und ohne jede Berührungsangst mit dem Klangbild des "Miles Runs The Voodoo Down" aus der "Bitches Brew" von Miles Davis. Komplementiert mit den beiden kubinesk kongenialen Baßklarinetten von George Ricci und Annika Francke treffen diese beiden unter dem Erdboden wühlenden Klangstollen auf die Tablaakzente Sankar Chowdhurys. Ein neues Voodoo Chile ist entstanden, unter meiner Fremdenführung, quasi als Dirigent, damit die Klänge sich nicht verirren.
 
Es soll hier Rechnung getragen werden der Vorliebe Hendix' nach Science Fiction und auch dem Untergrund aus Voodoo, den er aus seiner Herkunft mitgebracht hatte. Aus der fernen, fast verblaßten Erinnerung an die psychedelischen Welten seiner Ausflüge in den Bereich der LSD-Erfahrungen soll angeknüpft werden. Wo hier kann ich noch die Schnittstelle anbringen ohne das Risiko des LSD heute, Jahrzehnte nach seiner Entdeckung, für mich persönlich, der ich aus Vernunft verzichte; wo kann ich hier den Handschlag erkennen, der den Beschluß der Geister besiegelt und wie kann ich diesen Beschluß pflichtgemäß wahrhaben?
 




Annika inszeniert die Klangschalen mit teutonisch anmutender
Gründlichkeit, was sie hier unübersehbar zum Ausdruck bringt.
 


Der Bläsersatz: Zwei Baßklarinetten im Hexenkessel.
 
Was sonst selten vorkommt: Es kommt jemand und macht einen konkreten Vorschlag. Annika tat genau das. Da sie sich in dieser Zeit intensiv mit dem Tuned Percussion auseinandersetzte, schlug sie vor, diese ins VooDoo Chile miteinzubeziehen. Damit machten wir ab und sie tauchte auf mit ihren Glöckchen, dem keinen Xylophon und weiterer Perkussion, die wir mit Glocken und Klangfarben aus meinem eigenen Sortiment ergänzten. Als Mikrophonie wählte ich die beiden Shoeps CM 640er, Sechzigerjahre-Röhrenmiks.
 
 


Snaretrack Recording: Nachträglich noch eine Snare in den Pot.
 
 
Und die Stimmung wurde noch rauchiger. Mit der Klangfarbe der Glocken, Schellen und Tuned Percussion zieht es die Musik noch weiter in den Zauberwald. Echte Glocken kann man nicht durch sequenzergetriebene Samples ersetzen. What's next? Allmählich sitze ich vor dem leeren Blatt der Partitur für den Gesang. Wer wagt sich auf diesen Teppich?