Der romantische Geschmack ist selten, noch seltener das romantische Talent, daher gibt es wohl so wenige, die jene Lyra, deren Ton das wundervolle Reich des Romantischen aufschließt, anzuschlagen vermögen.

E.T.A. Hoffmann (über Beethovens Instrumentalmusik)

 
 
 






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 Das flüssige Frontpanel

 
 
 
 
 
 



Amplifier Company Of America Tube Limiter.
 


PrismSound Lyra 2.

 


Laufende Projekte
 
Keeping Track on the Projects. Das sind die laufenden Projekte im weitesten Sinne.
 
EMS Projektliste
 
Ich gebe mir die größte Mühe, alle Tätigkeiten zusammenzufassen. Sie zu protokollieren und zu archivieren. Die Projekte sind Chroniken, Tagebücher, Aphorismen, Gemälde, Zeichnungen, Photographien und es scheint so zu sein: Technisch hochkomplexe Vorhaben, die zum Teil im Alleingang gelöst werden (sofern es sich um die technische Grundlage handelt) oder auch in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. In erster Linie bin ich auf dem Gebiet der Notation nicht zuhause, bin es nie gewesen und werde es nie sein, nicht in diesem Leben. Dazu hat es ganz wertvolle Menschen, die mich umgeben, die mit mir denken und arbeiten. George Ricci, Annika Francke, Valérie Benelli oder Seven Chosen um nur einige wenige zu nennen. Diese tauchen immer wieder im Studio auf und bereichern die tonalen Malereien mit ihrem Talent, ihren Inspirationen und Gedanken. Ich bin diesen Leuten sehr dankbar, ansonsten würden meine Arbeiten vor Eigenbrötlerei und Inzucht ein Dasein ganz knapp am Boden fristen.
 
Zeitepoche und Modernität sind sekundär. Ich scheue nicht den Aufwand, mich mit uralter, oft jahrzehntealter Technik herumzuschlagen. Auch ich schwimme und strample mit in diesem heutigen Strom des Neuauflebens sogenannter Vintage-Technologie. Sie ist wunderbar, und die alte Technik steht ohnehin Pate für die vielen Plugins, die heute entwickelt werden. Warum sonst würde eine IGS Audio einen Federhall für zweieinhalb Tausend Euro im Sortiment anbieten (Springtime)? So steht nun auch ein Amplifier Company Of America Tube Limiter im Rack bei mir. Niemand weiß etwas über diese Maschine. Und wenn sie nur Kleinigkeiten zu liefern vermag, sie schaut wunderbar aus, ein Stück Steampunk wohl. Aber wenn dann ein Stück (endlich) fertig sein wird, dann schau ich, daß ich den Mixdown auf einer neuen, guten Maschine mache. In diesem Fall eine PrismSound Lyra 2. Man könnte über solche Entscheidungen endlos diskutieren, aber in diesem Fall: Es ist meine Entscheidung. Meine Technikalia.
 
"This is the Tardis. And it belongs to me."
Dr. Who

 


 
 

E xcitement. Die Übersetzung von excitement ins Deutsche ist "Aufregung". Das Wort "Aufregung" klingt völlig anders als "excitement". Wenn man "excitement" als "Aufregung" in einem Zusammenhang bringen will, dann muß man eine umständliche Erklärung hinzufügen. Hier ist sie, notwendigerweise: Es ist das, was man empfindet, wenn man ein Weihnachtspaket in den Händen hält und nicht weiß, was drin ist.
 
Meine Maschinen habe viele Knöpfe, diese verursachen Wirkungen in dem, was ich aufnehme. Diese Wirkungen sind zum Teil rein technischer Natur, sie dienen dazu, Korrekturen am Gehörten vorzunehmen. Sie decken aber auch einen anderen Bereich ab. Sie setzen einen Vorgang in Bewegung, der etwas bewirkt, was ein leichtes Erschrecken auslösen könnte. Nichts Unangenehmes, eine Prickeln, eine Spannung bis hin zur "excitement". Das ist es. Das ist der Motor. Das ist, was mich bewegt, so viele Kabel an so viele Maschinen anzuschließen, so viel Aufwand zu treiben, weil, nach langem Forschen und Ausprobieren, dann diese Spannung erzeugt wird. Es reiht sich Spannung an Spannung.
 
Eine Stimme wird präsenter als in der Wirklichkeit. Oder ein Fingerschnippen versetzt Dich in einen Schwarzweißkrimi aus den Sechzigern (ohne das übersteuerte Panikgeschrei der Opfer). Ein Rimshot liegt direkt vor der Nase des Zuhörers. Ein Streichersatz taucht als Fläche auf aus einem imaginären Teich. Das ist es, womit wir den Zuhörer fesseln sollten. Musik kann nur Gebrauchsmusik sein, Muzak, Anregung zum Verkauf eines oft minderwertigen Produkts – die meisten Produkte sind minderwertig. Wenn aber jeder Klang vergeistigt ist, dann steckt ja, wie es der Name ausspricht, Geist dahinter. Die Ambiente vergeistigter Musik ist Spannung, Aufregung, Vorfreude auf mehr, Faszination. Dahinhoppelnde Ballett-Tänzer sind eine Plage, so wie Eso-Musik. Eine fesselnd ausgeführte Handbewegung ist höchste Unterhaltung. Es gilt, die Instrumentierung eines Musikstückes spannend einzufangen, dann ist der Zuhörer angehalten innezuhalten; während dieser hört, begleitet dann sein Atem den Atem des Gehörten.
 



Hinter den Maschinen.
Es gibt keine digitale Musik. Digitale Klangverarbeitung ist ein Aufschnitt, so fein der Aufschnitt sein mag, es hat dennoch Spalten zwischen den Scheiben. Bis zu einem gewissen Grad täuscht uns die Feinheit des Aufschnittes darüber hinweg. Doch am Anfang des Klangs steht ein analoges Ereignis, nach jeder Bearbeitung – sei sie analog oder digital – ein analoges Ereignis, das uns über die von der Musik verursachten Schwingungen als analoges Ereignis unsere Wahrnehmung erreicht. Die tausend Knöpfe, an denen ich drehe, diese setzen Steuerspannungen in Bewegung, kleine elektrische Impulse, diese sind analoger Natur. Sicher hat es auch die digitalen Steuerungen, dennoch steht am Ende der Kette immer ein analoger Ausgang. Und da hinten unten, da irgendwo im Orchestergraben, stehe ich, der die Knöpfe dreht und den Fluß der Steuerspannungen zu einem Gemälde zusammenfaßt. Damit der Zuhörer "excitement" erlebt. Dazu muß er aber schon wirklich zuhören, sich die Zeit dazu nehmen. Am besten ungestört. Entspannt konzentriert. Dann flackert das Schattenspiel der Aufnahmen vor dem Auge seines Ohres.
 
     Edward, 29. März 2019

Edward Mickonis Society Live im Jakobikeller, Gaaden.
 
Jakobikeller